Neuerscheinungen

Buchcover Roth

"Die Blume ist", wie der Dichter und Lebenskünstler Peter Hille meinte, "das Lächeln der Pflanze." Seht schön gesagt und wiewohl auch richtig, aber es steckt noch mehr dahinter. Nicht nur die ökologisch-technische Funktion der Blumen, den Bestäuber mit ihren Lächeln und ihren Düften anzulocken und als Blumenstrauß seine Mitmenschen zu beglücken, sondern eben durch ihre schiere Existenz Künstlern und Philosophen Weisheiten abzuringen, ohne die unsere Gedankenwelt ärmer und freudloser wäre.
Tatsächlich sind Blumen eben auch mit Erfindungsgabe und Klugheit beseelt, um ihr Streben hienieden zu erfüllen. Ihr Ehrgeiz ist schließlich, die Oberfläche unseres Planeten mit ihrer vielfältigen Schönheit und Farbenpracht zu bedecken, ja zu erobern. Und das ist eben nicht so leicht, es gibt jede Menge Konkurrenz mit anderen Pflanzen und den Tieren, vom Menschen einmal ganz abgesehen. Aber Intelligenz, Findigkeit und sogar Listigkeit der Blumen, sich den Anforderungen des Flugwesens, der Mechanik, der Ballistik, der Insektenbeobachtung und vielen anderen Einflussnahmen zu stellen, sind geradezu überwältigend.

Der Autor
Theodor Lessing,1872 in Hannover geboren, war im besten Sinne des Wortes ein 'Vielschreiber', der sich in allen möglichen Genres zunächst ausprobierte, um schlussendlich als Philosoph und Essayist seine wahre Mission zu finden. Mit 22 Jahren legte er seinen ersten Roman vor, kurz darauf folgten etliche Dramen, schräge Gedichtbände (Weiber! 301 Stoßseufzer über das 'schönere' Geschlecht.) und satirische Kampfschriften. In den 1920er Jahren erlangte er mit seinen Artikeln für das 'Prager Tagblatt' und den 'Dortmunder Generalanzeiger' sowohl deutschlandweite Beachtung als auch wegen seiner kompromisslosen Art, Ross und Reiter zu benennen, deutschlandweite Anfechtungen. Nach seiner Emigration 1933 in die Tschechoslowakei wurde de facto ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Drei sudetendeutsche Attentäter, die anschließend in Nazi-Deutschland als Helden gefeiert wurden, erschossen Theodor Lessing im tschechischen Mariánské Lázně.

Theodor Lessing
Blumen
Eine philosophische Dichtung
Schwarzwasser Verlag
ISBN/EAN: 978-3-940800-98-5
208 Seiten, Taschenbuch / Softcover
Verkaufspreis 12,10 EUR
Erhältlich bei AMAZON und jeder wohlsortierten Buchhandlung

Buchcover Roth

„Er beschreibt Menschen. Er beschreibt mit einer wunderbaren, gebändigten Besessenheit. In wenigen Situationen ist mehr Schicksal als in abenteuerlichen, verschlungenen Lebensläufen. Man könnte sagen, er photographiert — aber wenn er es tut, wo steht er? Inwendig im Menschen blitzt sein scharfes Objektiv, und von innen her entwickelt er die Leiblichkeit seiner Gestalten. Seine Methode ist nicht analytisch, nicht psychologisierend, sondern der große Querschnitt und die Totalität mit Hilfe der Dialektik. Das könnte eine kalte intellektuelle Atmosphäre erzeugen, wäre dahinter der Schmerz nicht spürbar.“ (Aus einer Besprechung 1928)

ZEITZEUGEN
"Jede Seite, jede Zeile ist wie die Strophe eines Gedichts, gehämmert mit dem genauesten Bewusstsein für Rhythmus und Melodik." (Stefan Zweig)

"Joseph Roth - einer der besten deutschen Erzähler. Andere hatten im Leben größeren Ruhm. Sein Ruhm wird länger dauern." (Hermann Kesten)

"Irgendwann in diesen Jahren tauchte Joseph Roth in Wien auf, und wir verbrachten ein paar Abende mit ihm. Er befand sich im vorletzten Stadium der Trunksucht, denn er hatte fast ganz zu essen aufgehört und begann seine Tage mit einem Wasserglas voll Slivowitz. Eine Frau war um ihn (vielleicht Gina Kaus?), der es zeitweilig gelang, ihn dazu zu bringen, Wein statt scharfe Sachen zu trinken, aber es war hoffnungslos. Er schrieb zwei Bücher im Jahr, um sich am Leben zu halten, aber in seinen letzten Büchern war die fortschreitende Zerstörung einer einst großen und edlen Begabung zu spüren. Es war erschreckend, diesen persönlich immer noch reizenden und originellen Menschen vor unseren Augen verfallen zu sehen." (Ernst Krenek, aus "Im Atem der Zeit")

Joseph Roth
Schall und Rausch
Musikfeuilletons und Artverwandtes 1918 - 1930
Schwarzwasser Verlag
ISBN/EAN: 978-3-940800-99-2
204 Seiten, Taschenbuch / Softcover
Verkaufspreis 12,10 EUR
Erhältlich bei AMAZON und jeder wohlsortierten Buchhandlung

INHALT
Vorwort • Crostau • Drehsa • Gröditz • Großschweidnitz • Kittlitz • Kleinradmeritz • Kottmarsdorf • Löbau • Mittel Sohland am R. • Neukirch • Niedergurig • OberCunewalde Oberoderwitz • Oehlisch • Oppach • Preititz • Schirgiswalde • Sohland an der Spree • Schönbach • Taubenheim Wilthen • Wurschen

Als Hauptquelle für den zweiten Band über Rittergüter, Schlösser und Kirchen im Markgrafentum Oberlausitz um 1850, die sich in den mittleren Oberlausitz rund um Löbau scharen, diente das 1847 in Leipzig erschienene "Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen". Es umfasst in der Abteilung Markgrafentum Oberlausitz 264 Seiten Text und über 100 Illustrationen von den beschriebenen Objekten, die vom Architekt F. Heise gezeichnet wurden. Die Stiche, die die Vorderansicht der Gutshäuser zeigen (gewürzt mit einer Genreszene, wie flanierende Adlige oder fleißige Bedienstete) orientieren sich am damaligen Zeitgeschmack. Unverkennbar ist die Verwandtschaft zu den Zeichnungen des Dresdner Malers Adrian Ludwig Richter, der als Künstler der Spätromantik und des Biedermeiers hohes Ansehen genoss. Architekt Heise ist, möglicherweise auf Geheiß des Herausgebers, mit einem Wiedererkennungskalkül zu Werke gegangen, und er hat seine Arbeit außerordentlich gut gemacht.

Die Texte stammen von verschiedenen Autoren, wobei insbesondere Otto Moser, ein seinerzeit beliebter Popularhistoriker, den größten Anteil hat und die meisten anderen Autoren entweder durch unentschlüsselbare Kürzel oder keinerlei Autorenhinweis anonym bleiben. Es gibt in den einzelnen Aufsätzen gelegentlich Überschneidungen und Wiederholungen, wenn es um grundsätzliche geschichtliche Ereignisse geht, etwa den Hussitenansturm, den Pönfall oder die Kriegswirren von 1813. Und auch vom Umfang her, was an der Quellenlage oder fehlender Mitarbeit der Rittergutsbesitzer gelegen haben mag, kommen einige Güter nur sehr kurz weg. Die Qualität der Texte ist ebenfalls unterschiedlich. Es gibt sehr spannend aufbereitete Passagen, die aus dem Anekdotischen schöpfen, wohingegen das reichlich präsentierte statistische Material eher etwas monoton wirkt. Nichtsdestotrotz sind diese Datensätze für denjenigen interessant, der die Entwicklung seines Dorfes, das womöglich in grauer Vorzeit ein bedeutender Marktflecken, wenn nicht gar eine Stadt gewesen war, im Auf und Ab der Geschichte verfolgen möchte.

Herausgeber und Vorwort:
Gottfried Blumenstein
Rittergüter, Schlösser, Kirchen im Königreich Sachsen: Markgrafentum Oberlausitz 1850 Band 2
ISBN/EAN: 9783940800343
152 Seiten, Taschenbuch / Softcover
Verkaufspreis 12,10 EUR
Erhältlich bei AMAZON und jeder wohlsortierten Buchhandlung

Verlagsprogramm 2017

Vorschau Herbst 2017

Rittergüter, Schlösser, Kirchen im Königreich Sachsen: Markgrafentum Oberlausitz 1850 Band 3

sehr frei nach Ambrose Bierce in Kooperation mit der amerikanischen Zwitscherpräsidentschaft

Blumen – Eine philosophische Dichtung von Theodor Lessing

Klassiker des deutschen Feuilletons: Victor Auburtin

Wörterbuch

ERNIEDRIGUNG

Ist besonders hilfreich in Gegenwart von Reichtum oder Macht. Wirkt stets possierlich und kommt gut an, wenn man als Angestellter besengten Hauptes seinen Hausmeister oder Präsidenten anredet.

Hörbücher

Nachdem mit Russland mittlerweile ein kalter bis lauwarmer Krieg ausgebrochen ist, gilt hierzulande als politisch unkorrekt, welcher versucht zu verstehen, wie die Russen ticken - d.h. wie sie denken und fühlen. Die derzeit massenweise veröffentlichte Meinung suggeriert, das sogenannte Russlandversteher als fünfte Kolonne firmieren. Wenn das so weiter geht, dann landet womöglich ein Schriftsteller wie Dostojewski auf dem Index. Es gilt also die verbleibende Zeit zu nutzen, um ein Zipfelchen von dem zu erhaschen, dass uns die Gemengelage der Verwirrten allerorten einigermaßen plausibel macht. Und bis dato ist noch niemand am Firmament aufgetaucht, der das besser und treffender in Worte gefasst hätte als der Großschriftsteller und Großhumorist F. M. Dostojewski. Insbesondere sein Roman „Die Besessenen" (auch übersetzt mit „Die Dämonen", „Die Teufel", „Böse Geister"), der zu großen Teilen 1870 in Dresden geschrieben wurde und der in der verblichenen Sowjetunion de facto verboten war, enthält immens viel (Zünd)Stoff, den generellen Irrsinn des Weltenlaufs zu beglaubigen. Dostojewski war sich selbst durchaus im Klaren, dass er mit seiner rigorosen Offenheit und seinem horrenden Humor sich nur wenig Freunde machen würde: „Ich schreibe diesen Roman, weil ich zornig bin. Sie werden mich wie Hunde anbellen, die Nihilisten und die Westler und mich als einen Reaktionär behandeln. Aber hol` sie der Teufel, ich werde alles sagen, was ich denke."

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Für Voltaire genoss Dante den höchsten Ruhm, den man als Dichter überhaupt erklimmen konnte. Dieser war nämlich berühmt, ohne das man ihn großartig gelesen hätte. Dantes "Göttliche Komödie" ist in den Schatz der Menschheit mehr oder weniger durch Hörensagen eingegangen. Immerhin haben sich zahlreiche Deutsche an eine Übersetzung gewagt, wobei Stefan George als Expressionist das größte Risiko auf sich genommen hat. Mittlerweile ist zwar der Expressionismus aus der Mode gekommen, aber auf der Sprechbühne zeitigt er immer noch eine gewaltige emotionale Wirkung. Vorausgesetzt, dass der Schauspieler genügend Mittel hat, den Text zu bewältigen. Mit dem Schauspieler Dirk Glodde hat Stefan George jenen Interpreten gefunden, der seine Dichtung ins 21. Jahrhundert hinüber rettet. "Die Kunst des Sprechens nämlich", schrieb Ossip Mandelstam, "entstellt unser Gesicht, zerreißt seine Ruhe, zerstört seine Maske."

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Für Giorgio Vasari, dem einzigartigen Chronisten der italienischen Malerei gab es die Götter: Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael, danach kam erst der Herrgott. Raffael war unter den Dreien der jugendliche Tragiker, der an einem Karfreitag geboren wurden und mit noch jungen Jahren von 37 ebenfalls an einem Karfreitag starb. Vasari schildert das gleichwohl illustre wie arbeitsreiche Leben Raffaels in schillerndsten Farben und gibt dabei dem ungebremsten Lebenswandel Raffaels die Schuld an seinem frühen Tod, der durch einen Aderlass zur Kurierung einer Geschlechtskrankheit verursacht worden sein soll. Ob dies tatsächlich an dem war, war zwar Streitgestand der Gelehrten über Jahrhunderte hinweg, schmälert jedoch keineswegs den Lesegenuss dieser Biografie, die voller sprühender Begeisterung für Raffaels grandiose Kunst halt gern mal über die Stränge schlägt.


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Der Briefschreiber berichtet seinem Freund, wie er sich in eine verheiratete Frau verliebt und sie mittels Faust-Lektüre für sich gewinnt, dann aber zusehen muss, wie die Geliebte sich in Wahn und Krankheit verliert und stirbt. Turgenjew, der die 1856 entstandenen Erzählung zwar in der intimen Briefform niederschrieb, gelangte am Schluss, als das Unheil über die Affäre und den Briefschreiber hereinbricht zu einer modernen, wenn man so will hartherzigen Darstellungsform, um den Schmerz irgendwie erträglicher zu machen. Psychologisch wird Sigmund Freuds psychoanalytischen Theorie vorweggenommen, dessen These der Verdrängung hier literarisch meisterhaft durchexerziert wird, zumal der Autor auch selbst in äußerst unglückliche Liebeshändel verstrickt war und möglicherweise mit diesem kleinen Text eine erste Selbsttherapie wagte.

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Und wie hatte uns dieser Typ oft reingelegt, als übellauniger Griesgram bemitleidenswerte Konzerte im Tran (von was weiß nicht mal die Polizei) abgeliefert: Berlin, Halle, Glauchau. Aber andernorts (Cottbus, Dresden, Rom) immer wieder Sternstunden aus dem Hut gezaubert. Als "Gangster des Herzens" hat Dylan seine größten Fans vom verblichenen Robert Shelton bis hin zu unserer Perle Halina Maszkowsky Jahre des Lebens geraubt. Tonnenweise ist schlohweißes Papier von Dylanologen voll geschrieben worden, und kaum einen tut es leid um die verlorene Zeit. Er war es schon wert, denn was hätte man denn sonst tun sollen, außer eine gescheiterte Revolution anzetteln oder eine wilde Collage produzieren, die davon kündet, eine einigermaßen passable Zeit gehabt zu haben - sogar in der ZONE!

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